2014 – Welttheater

Berlin im Frühjahr 1933: in Max Reinhardts Deutschem Theater findet die Premiere von Hugo von Hofmannsthals „Großem Welttheater“. Wiederholt hat der große Regisseur sein Ensemble aus das eingeschworen, woran er noch immer glaubt: „Wir sind keine Politiker, ich für mein Teil bin es gewiß nicht. Ich bin nichts als ein Theatermann. Mein Leben gehört ganz jener zauberhaften Welt, die der Mensch geschaffen hat, nach seinem Ebenbild. Die Welt empfängt ihr Licht, Wärme und Leben von der Wirklichkeit, aber sie ist ein Planet für sich und dreht sich um ihre eigene Achse, nach eigenen Gesetzen.“

Wie sehr zu diesem Zeitpunkt die Wirklichkeit bereits dunkle Schatten auf das Kunstgestirn wirft ist den Schauspielern jedoch klar: zwei Tage zuvor ist der Reichstag abgebrannt und Reichskanzler Adolf Hitler hat daraufhin mit dem Notverordnungsparagraphen die Verfassung der Weimarer Republik außer Kraft gesetzt. Reinhardt ist Jude. Die Premiere ist gleichzeitig seine Abschiedsvorstellung denn er muss aus Deutschland fliehen und er ist nicht der einzige in der Garderobe des Deutschen Theaters – dem Handlungsort des Stückes – der an diesem Abend an Flucht aber auch an Widerstand denkt.

Beklommen lauschen Sie jenen im Ohr der Nachwelt ahnungsvoll-prophetisch klingenden Versen des Bettlers: „Der Weltstand muß dahin, neu werden muß die Welt, und sollte sie zuvor in einem Flammenmeer und einer blutigen Sintflut untertauchen.“ Andere im Ensemble wittern in der Machtübernahme langersehnte Aufstiegschancen. Wut und Resignation liegen an diesem Aschermittwoch über der Vorstellung, wie der schwarze Rauch über der Hauptstadt. Doch: the show must go on.

Ensemble: Max Reinhardt, der Weltberühmte Regisseur des DT –  Cihan Büyükari | Sophie Weißhaupt, Darstellerin der Weisheit – Selen Ericok | Emma Regenthal, Darstellerin der Schönheit – Lara Wehlan | Samuel Grünwald, Darsteller des Bettlers – Elias Weber | Otto Haller, Darsteller des Reichen – Till Hartig | Dorothy Parker, Theaterkritikerin von internationalem Renommee – Mara Tegtmeier | Herr von Danneberg, Kapellmeister Wolf Koschwitz | Gitarrist – Micha Strahl | Fagottist – Max Müller | Heinrich Schneider, Statist – Fabian Nowak | Frl. Semmele, Souffleuse – Eve Mahn | Friederike, Kostümbildnerin – Jasmin Zamani | Mechthild, Maskenbildnerin – Mathilde Röhr | Rolf, Bühnenarbeiter – Simon Lubig | Wilhelm Rittner, Feuerwehrmann – Jochen Taeschner

Produktionsteam: Spielleitung/ Stück: Anja Wagner | Musikalische Leitung/ Komposition: Wolf Koschwitz | Produktionsleitung: Norbert West (Werk9) | Grafik/ Layout: Regina Tyllack | Bühnenbild: Shanti Strauch; Anja Wagner  | Lichttechnik: Annette Schulze

Alle Vorstellungen: Sa, 21. Juni 2014 | So, 22. Juni 2014 | Di, 24. Juni 2014 | Sa, 06. September 2014 | So, 07. September 2014 | Sa, 28. Februar 2015 | So, 01. März 2015, jeweils 19:00 Uhr

Zerstörte Vielfalt

Mit einem Themenjahr unter diesem Schlagwort hat die Kulturhauptstadt Berlin im 2013 Stellung bezogen zum 80. Jahrestag der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 und zum 75. Jahrestag der Reichspogromnacht 1938. Der Vielfalt des Lebens in der Weltstadt und dessen Zerstörung im Nationalsozialismus wurde mit zahlreichen Aktivitäten gedacht, zu denen etliche Berliner Institutionen wie Museen, Gedenkstätten, Archive, Universitäten, Kirchen, die Jüdische Gemeinde, der Landesverband der Sinti und Roma, die Geschichtsinitiativen und Kultureinrichtungen der Stadt und viele mehr ihren Teil beitrugen.

Mitten in Berlin bringt die Jugendtheatergruppe Querstreicher am kommenden Wochenende ein Nachspiel zum Themenjahr „Zerstörte Vielfalt“ auf die Bühne und gedenkt damit gleichzeitig eines weiteren Jahrestages: 2013 jährte sich das Geburts- und Sterbejahr des großen Theatermannes Max Reinhardt zum 140. bzw. 70. Mal.

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